Bauer hört mit Öko-Anbau auf

Landwirt aus der Eifel: "Bio hat mich fast ruiniert"

Stand

Von Autor/in Christian Altmayer

Nach 25 Jahren macht ein Landwirt aus Zemmer Schluss mit Bio. Schuld sind schlechte Ernten und sinkende Preise für Produkte. Für viele lohne sich der Öko-Anbau nicht mehr.

Bernd Mauer hat eine harte Zeit hinter sich. Denn er hat auf seinen Feldern in Zemmer in der Eifel zwei extrem schlechte Ernten eingefahren. Schuld war der viele Regen in den vergangenen beiden Jahren. Aber auch der Umstand, dass er als Biobauer keine Spritzmittel gegen Unkraut und Pilze einsetzen durfte.

"Bio lohnt sich für mich nicht mehr", sagt der Landwirt Bernd Mauer, der in Zemmer Getreide anbaut.
"Bio lohnt sich für mich nicht mehr", sagt der Landwirt Bernd Mauer, der in Zemmer Getreide anbaut.

"Uns haben die letzten zwei Bio-Jahre fast ruiniert", sagt Mauer. Er hat deswegen entschieden, Schluss zu machen mit dem Öko-Anbau und künftig wieder konventionell zu arbeiten - zur Not mit Pestiziden, die seine Ernte retten können.

Landwirt: "Bioanbau lohnt sich nicht mehr"

Dabei hat er 25 Jahre nicht schlecht vom Anbau von Tierfutter gelebt: "Ich hab Bio nicht gemacht, weil ich die Welt retten wollte." Sein Anspruch sei immer gewesen, mit der Landwirtschaft Geld zu verdienen: "Die ersten 20 Jahre lief das in Ordnung, die letzten fünf Jahre nicht mehr."

Denn von den Fleisch- und Milchbauern an die er verkauft, bekommt er immer weniger Geld für sein Bio-Futter. Das liegt nicht daran, dass niemand mehr Bio-Lebensmittel einkauft. Im Gegenteil: Nachdem die Verkäufe 2022 zurückgegangen waren, landen inzwischen wieder häufiger Öko-Produkte in den Einkaufswägen. Das hat aber auch damit zu tun, dass sie immer billiger werden und mittlerweile bei den Discountern in den Regalen stehen.

Der Liter Biomilch kostet dort nur wenige Cent mehr als der Liter Milch aus einem konventionellen Betrieb. Und das sei ein Teil des Problems, kritisiert Mauer: "Bei den höheren Produktionskosten bleibt immer weniger für uns Landwirte übrig."

Geldbeutel entscheidet beim Kauf

Der Bauer sieht auch die Verbraucher in der Verantwortung: "Jeder möchte die grüne Wiese aus der Werbung haben, möchte Tierwohl und hohe Standards, aber was nachher an der Theke gekauft wird, ist eine andere Sache."

Der Landwirt Bernd Mauer bewirtschaftet 150 Hektar Felder in Zemmer.
Der Landwirt Bernd Mauer bewirtschaftet 150 Hektar Felder in Zemmer.

Mit Blick in den Geldbeutel griffen viele lieber zum Billig-Schnitzel aus dem Discounter als zum teureren Biofleisch aus dem Hofladen. Die Herkunft sei vielen Kunden egal. Der Bio-Boom zahle sich daher für die Bauern nicht aus.

Bauernverband: Discounter verschärfen Preisdruck

"In den letzten Jahren hat der Preisdruck auf ökologisch wirtschaftende Betriebe zugenommen", sagt auch Marco Weber (FDP), Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau. Ökologisch erzeugte Produkte seien aus ihrer Nische hervorgetreten: "Sie sind mittlerweile in Discountern zu finden, die für ihr Verhalten, Preise zu drücken, bekannt sind."

Bauernpräsident Marco Weber sitzt für die FDP im Mainzer Landtag.
Bauernpräsident Marco Weber sitzt für die FDP im Mainzer Landtag.

"Für den ein oder anderen Bauern rechnet sich das nicht", sagt Weber, und er hört auf mit "Bio". Das sei zwar noch kein Massen-Phänomen, meint der Chef des Bauernverbands: "Wir erkennen aber auch keinen Trend nach oben, in die biologische Produktion einzusteigen. Die Politik hätte es gerne, aber wir sehen da keine Aufbruchstimmung."

Ökologische Landwirtschaft wächst im Land nicht

Aktuell werden etwa zehn Prozent der Flächen in Rheinland-Pfalz ökologisch bewirtschaftet. "Und wir kommen seit Jahren nicht von der Stelle", sagt Marco Weber. Obwohl das Landwirtschaftsministerium sich 30 Prozent zum Ziel gesetzt hatte.

Bernd Mauer schließt nicht aus, dass auch seine Felder irgendwann wieder dazugehören. Dafür müsste sich allerdings einiges ändern, sagt der Landwirt: "Wenn es sich wieder lohnt und die Gesellschaft es möchte, mache ich sofort wieder Bio." Derzeit sehe es allerdings nicht danach aus.

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