Eine der Hochburgen im Land

Warum die AfD gerade im Hunsrück so stark ist

Stand

Von Autor/in Christian Altmayer

Fast jeder dritte Wähler im Hunsrück hat die AfD gewählt. In manchen Gemeinden wurde die Partei die stärkste Kraft. Woran liegt das? Wir haben uns vor Ort umgehört.

Kirchberg ist ein pittoreskes Städtchen im Hunsrück. Der Marktplatz ist eine Postkartenidylle: Fachwerkhäuser auf Kopfsteinpflaster. Doch in kaum einer anderen Verbandsgemeinde im Land war die AfD so stark. Fast jeder dritte Wähler hat hier sein Kreuzchen bei der Alternative für Deutschland gemacht. Wer die Menschen auf der Straße danach fragt, bekommt immer die gleiche Antwort: Das seien Protest-Stimmen gegen die Ampel.

Kirchberg im Hunsrück hat bei der Bundestagswahl ein "blaues Wunder" erlebt: die AfD war in kaum einer anderen Gemeinde so stark wie hier.
Kirchberg im Hunsrück hat bei der Bundestagswahl ein "blaues Wunder" erlebt: die AfD war in kaum einer anderen Gemeinde so stark wie hier.

Ähnlich sieht es der parteilose Bürgermeister Peter Müller. Er nennt das Wahlergebnis "besorgniserregend", glaubt aber, dass die Gründe hierfür eher in Berlin liegen als in Kirchberg. Migration sei ein Thema, das die Menschen beschäftige, Sicherheit, aber auch die schrumpfende Wirtschaft. Da müsse die neue Regierung Vertrauen aufbauen: "Die dürfen nicht nur reden, die müssen die Probleme der Menschen wirklich lösen - dann sehen wir wieder weniger Blau, egal ob hier in der Verbandsgemeinde oder anderswo im Land."

Bürgermeister Peter Müller (parteilos) glaubt, dass sich im Hunsrück vor allem der Protest gegen die Ampelregierung niedergeschlagen hat.
Bürgermeister Peter Müller (parteilos) glaubt, dass sich im Hunsrück vor allem der Protest gegen die Ampelregierung niedergeschlagen hat.

Wissenschaftlerin: AfD meist stärker in ländlichen Regionen

Trotzdem: Im Hunsrück ist die AfD auffällig erfolgreich, vor allem in vielen größeren Orten wie Idar-Oberstein, Birkenfeld oder Rhaunen. Allgemein sei die AfD meist stärker in ländlichen Regionen als etwa in Großstädten, sagt die Politikwissenschaftlerin Anna-Sophie Heinze von der Universität Trier.

"Wenn ich das Gefühl habe, niemand kümmert sich in Berlin um die Probleme, die es vor Ort gibt - dann steigt die Unzufriedenheit", sagt Heinze - ohne sich dabei konkret auf den Hunsrück zu beziehen. Und daraus könne eine Anfälligkeit für populistische Parteien herrühren. Konkrete politische Entscheidungen könnten auch mit rein spielen - ein Windpark, ein kaputtes Straßennetz oder eine Flüchtlingsunterkunft.

Geflüchtete fühlen sich im Hunsrück nicht mehr sicher

In Büchenbeuren, nur zehn Autominuten von Kirchberg entfernt, leben seit Jahren sehr viele Geflüchtete. Ehrenamtliche betreiben dort das „Café International“, einen Treffpunkt für Einheimische und Menschen mit Migrationsgeschichte.

Okka Senst (Grüne) wünscht sich von der Kommunalpolitik mehr Unterstützung für das Café International in Büchenbeuren. Das Erstarken der AfD bereitet ihr Sorgen.
Okka Senst (die Grünen) wünscht sich von der Kommunalpolitik mehr Unterstützung für das Café International in Büchenbeuren. Das Erstarken der AfD bereitet ihr Sorgen.

Nach der Wahl ist die Stimmung dort gedrückt, sagt Koordinatorin Okka Senst, die sich auch bei den Grünen engagiert: "Ich hab jetzt gerade heute schon wieder mehrere Nachrichten bekommen von Menschen, die mich fragen, wie es jetzt weitergeht und ob sie noch sicher sind."

Rassistische Anfeindungen habe es in Büchenbeuren öfter mal gegeben, sagt Senst. Seit Beginn des Ukraine-Krieges habe sich die Lage aber verschärft. Denn in der Region leben viele Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Und einige von ihnen sympathisierten mit Putin und mit der AfD.

Spätaussiedler mit Tendenz zur AfD

Die Community habe sich im Ort abgeschottet. Doch das war nicht immer so, sagt die Ehrenamtliche Gabi Heidberg. "Wir waren befreundet, die Menschen kamen auch zu uns ins Café." Seit dem Kriegsbeginn aber hätten sich im Dorf zwei Lager gebildet: "Desinformation, Propaganda, Lügen von Putin. Die sind so in den Köpfen festgemauert. Das tut mir so leid."

Gabi Heidberg hat lange in der Kita in Büchenbeuren gearbeitet und kennt viele Spätaussiedler-Familien. Seit dem Krieg in der Ukraine hätten sich die Beziehungen zu den Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion verschlechtert.
Gabi Heidberg hat lange in der Kita in Büchenbeuren gearbeitet und kennt viele Spätaussiedler-Familien. Seit dem Krieg in der Ukraine hätten sich die Beziehungen zu den Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion verschlechtert.

Ob es wirklich die Spätaussiedler waren, die den Ausschlag gegeben haben, lässt sich aus den Wahlergebnissen allein nicht ablesen. Klar ist: Im Hunsrück sind viele Menschen unzufrieden mit der etablierten Politik und die AfD profitiert davon.

Trier

Telegram und Fernsehen Ukrainer und Russen in Trier: Beeinflussen russische Medien diese Wählergruppen?

Russische Medien werben derzeit für die AfD. Ukrainer und Russen, die in Trier leben, könnte dies bei Ihrer Wahl beeinflussen. Das zeigen SWR-Recherchen.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Trier

Reaktionen und Hintergründe zur Wahl Bundestagswahl 2025: So hat die Region Trier gewählt

Die CDU hat alle Wahlkreise in der Region Trier gewonnen. Sieben Politikerinnen und Politiker vertreten die Region künftig im Bundestag. Was haben sie vor?

SWR4 am Montag SWR4

Trier

Panne bei der Bundestagswahl Stimmen aus Trier-Süd zum Teil ungültig: Falsche Kandidaten auf dem Zettel

In einem Wahllokal in Trier sind Stimmzettel mit Kandidaten aus Berlin ausgegeben worden. Die Panne ist erst um 11 Uhr aufgefallen, heißt es bei der Stadt.

Der Nachmittag SWR1 Rheinland-Pfalz

Analyse zur Bundestagswahl in RLP AfD-Hochburgen Kaiserslautern und Gelsenkirchen - was haben sie gemeinsam?

Kaiserslautern ist einer von nur zwei Wahlkreisen im Westen, in denen die AfD gewonnen hat. Der andere ist Gelsenkirchen. Im westdeutschen Vergleich ist die AfD zudem in RLP recht erfolgreich. Wo liegen die Gründe?