Seit Montagvormittag muss sich ein Mann vor dem Landgericht Rottweil verantworten. Der Vorwurf: Besonders schwerer Raub und Erpressung. Es geht um Überfälle auf mehrere Tankstellen.
Ein 26-Jähriger soll im September und Oktober 2023 sechs Tankstellen in den Landkreisen Rottweil und Zollernalbkreis überfallen haben. Für fünf der Überfälle steht er nun vor Gericht. Laut Anklage hat er die Angestellten mit einem Messer in der Hand dazu aufgefordert, das Geld aus der Kasse in eine Tüte zu packen. In einem Fall scheiterte die Tat, bei den anderen Überfällen soll er jeweils zwischen rund 500 Euro und 1.500 Euro erbeutet haben. Insgesamt konnte der Mann so rund 3.365 Euro erbeuten.
Drogen und Glückspiel
Als Motiv gibt der gelernte Programmierer an, das Geld für Drogen und Glücksspiel im Internet, in Spielhallen und für Sportwetten gebraucht zu haben. Zu den Drogen sei er durch sein Umfeld gekommen. Bei der Arbeit habe er sich mit Kollegen angefreundet, die im Drogenhandel organisiert seien. Erst habe er nur Cannabis geraucht, später dann auch Kokain und Heroin konsumiert. Zuletzt habe er täglich alle Drogen parallel genommen. Zwischen 3.000 und 4.000 Euro seien so alleine für seinen Drogenkonsum im Monat zusammengekommen. Dafür habe er Kredite aufgenommen, auch kleine Kredite bei Online-Banken, außerdem habe er Geld von seinen Eltern verwendet, mit denen er vor seiner Verhaftung gemeinsam in einer Wohnung in Sulz am Neckar (Landkreis Rottweil) lebte. Er soll ihnen sogar 20.000 Euro gestohlen haben, um das Geld für Drogen und Alkohol im Nachtleben ausgeben zu können. "Ich wollte groß sein vor meinen Freunden, zeigen, dass ich was habe."
Überfälle auf Tankstellen seien nicht geplant gewesen
Nach zahlreichen Jobwechseln und einer Zeit ohne Arbeit sei dem 26-Jährigen schließlich Anfang September aufgrund seines Drogenkonsums und seiner Unzuverlässigkeit bei einer Balinger Firma gekündigt worden. "Seit Juli hatte ich keinen Willen mehr zu arbeiten, ich war nicht mehr dazu in der Lage", erklärt er vor Gericht. Als ihm das Geld ausging, habe er keine andere Möglichkeit mehr gesehen. Mit einer FFP-2-Maske und einem etwa 15 Zentimeter langen Küchenmesser soll er Ende September erstmals eine Tankstelle in der Nähe der elterlichen Wohnung überfallen haben. Vor dem Überfall will er Drogen genommen haben, "sonst hätte ich mich das nicht getraut". Immer dann, wenn ihm das Geld ausgegangen sei, habe er eine Tankstelle überfallen. Als ihm die Kassiererin einer Tankstelle in Rottweil kein Geld geben wollte, ging er wieder. "Ich wollte das Messer nicht benutzen, ich wollte keinen Konflikt".
Urteil Ende April erwartet
Seit Oktober 2023 sitzt der Mann in Untersuchungshaft in der JVA Rottweil. Für den Prozess sind vier Verhandlungstage angesetzt, sieben Zeugen sollen vernommen werden. Das Urteil wird Ende April erwartet.
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